Augenpraxis St. Valentin Blog

„Du hast ja Augen wie ein Adler!“

„Du hast ja Augen wie ein Adler!“

Sehen Tiere wirklich besser als Menschen? Der Mensch ist im Vergleich mit dem Tierreich ein ausgezeichneter Allrounder, jedoch in keinem Bereich wirklich Spitzenklasse. Unterschiedliche Lebewesen sehen die Welt mit unterschiedlichen Augen und verfügen über hochkomplexe, an ihre Bedürfnisse angepasste Sehorgane.

Im menschlichen Auge befinden sich auf der Netzhaut zwei unterschiedliche Arten von Sehzellen: Stäbchen und Zapfen. Mit den Stäbchen sehen wir nur schwarz-weiß und auch das nicht besonders scharf. Sie sind jedoch extrem lichtempfindlich und für das Sehen in der Dunkelheit gedacht. Der Spruch „In der Nacht sind alle Katzen grau“ ist somit völlig richtig. Für das Sehen von Details und Farben sind die Zapfen zuständig. Diese brauchen allerdings viel Licht, sind also nur am Tag aktiv. Der Mensch besitzt 3 Sorten Zapfen – jeweils eine für die Wahrnehmung der Farben Rot, Grün und Blau. Der Mensch kann damit über 2 Millionen Farbtöne unterscheiden.

Augen wie ein Adler
Augen wie ein Adler (Foto: © Ursula Kothgasser, koco.at)

Schöne bunte Welt
Ausgesprochen farbenfroh ist die Welt für Vögel und Insekten. Sie verfügen sogar über eine vierte Variante der Zapfen für die Wahrnehmung im UV-Bereich. Dadurch sehen sie die Welt nicht nur besonders bunt, sondern auch leuchtend. Dies ist überaus hilfreich, da viele Artgenossen (z.B. Schmetterlinge) und Pflanzen zahlreiche Farbschattierungen im UV-Bereich besitzen, was bei der Erkennung von Nahrung und Partnern hilft.
Raubvögel, wie z.B. der Adler, können durch ihre UV-Sicht beispielsweise den Urin von Mäusen als leuchtende Spur erkennen. Außerdem sind die Zapfen beim Adler sehr dicht angeordnet und mit einem zusätzlichen Vergößerungssystem im Auge versehen. Die Greifvögel sehen damit so scharf, dass sie eine Maus auf 3 Kilometer Entfernung erkennen können. Dafür haben Adler fast keine Stäbchen auf der Netzhaut, sie sind also in der Nacht nahezu blind und können somit nur bei Tageslicht jagen.
Bei der Eule ist es hingegen genau umgekehrt. Mit ihren zahlreichen Stäbchen und ihren großen Pupillen sieht sie in der Nacht hervorragend.
Die größten Pupillen hat übrigens der Riesenkalamar. Mit seinen bis zu 30 cm großen Augen kann er auch bei fast völliger Dunkelheit in der Tiefsee seine Beute (und seinen einzigen Feind, den Pottwal) aufspüren.

Nachtaktive, farbenblinde Haustiere
Hunde und Katzen sehen in der Nacht deutlich besser als am Tag. Sie haben nicht nur viel mehr lichtempfindliche Stäbchen als der Mensch, sondern auch eine Art „Spiegelschicht“ hinter der Netzhaut. Damit können sie auch noch den letzten Lichtrest ausnutzen. Dieses „tapetum lucidum“ ist auch der Grund warum Hunde- und Katzenaugen in der Nacht leuchten, wenn sie mit einer Lichtquelle angestrahlt werden.
Katzen und Hunde sind jedoch farbenblind. Ihnen fehlt der Zapfen für den Rot-Bereich. So können sie die Farbtöne Rot, Orange und Gelb nicht unterscheiden. Dies gilt übrigens für fast alle Säugetiere. Auch ein Stier kann kein Rot erkennen. Seine Reaktion auf das rote Tuch beim Stierkampf entsteht nur durch das Herumfuchteln des Stierkämpfers. Der Mensch ist mit seinem erweiterten Farb-Bereich eine Ausnahme in der Evolution der Säugetiere.

Perfekter Panoramablick
Genauso wichtig wie das Erkennen von Details und Farben ist das räumliche Sehen. Der Mensch hat – wie auch viele Raubtiere – beide Augen nach vorne gerichtet. Damit haben wir ein ausgezeichnetes dreidimensionales Sehen und können Entfernungen sehr gut einschätzen. Wir können damit jedoch nicht nach hinten sehen. Bei Hasen – typische Fluchttiere – sind die Augen genau auf der Seite des Kopfes positioniert. Sie haben dadurch einen perfekten 360°-Rundumblick, um Feinde aus allen Richtungen kommen zu sehen. Ihnen fehlt damit jedoch das 3D-Sehen.
Den Rundumblick perfektioniert haben die Insekten mit ihren „Facettenaugen“. Diese vielen hundert Einzelaugen haben zwar keine sehr große Sehschärfe, sorgen aber durch ihre Anordnung für den ultimativen Panoramablick. Dazu können die Insektenaugen deutlich mehr Bilder pro Sekunde aufnehmen als alle anderen Lebewesen. Während das menschliche Auge ca. 24 Bilder pro Sekunde verarbeiten kann, so sind es beim Insektenauge ca. 300 Bilder pro Sekunde. Dadurch können sie unglaublich schnell auf Bewegungen reagieren.
Auch wenn der Mensch im Vergleich zu den Tieren eine perfekte Kombination aus Sehschärfe, Farberkennung, Dunkelsehen und Tiefenwahrnehmung hat, in diesem Punkt ist er den Insekten unterlegen. Und jeder der schon mal versucht hat eine Fliege zu fangen weiß das. 😉