Augenpraxis St. Valentin Blog

Mit dem Baby in die Augenpraxis

Mit dem Baby in die Augenpraxis

Warum muss mein Kind zum Augenarzt? Was passiert bei der Mutter-Kind-Pass Untersuchung?

Wenn ein Kind auf die Welt kommt hat es noch nicht die vollständige Sehleistung. Diese entwickelt sich erst im Laufe der ersten Lebensjahre. In dieser Zeit ist es besonders wichtig mögliche „Störfaktoren“ der Sehentwicklung zu erkennen und zu behandeln, damit die Kinderaugen auch lernen „scharf“ zu sehen.

MutterKindPass-Untersuchung
Ein Neugeborenes sieht anfangs noch sehr verschwommen. (Foto: © koco.at)

Wieviel sieht mein Kind eigentlich?
Ein Neugeborenes sieht in den ersten Wochen noch sehr verschwommen und hauptsächlich Umrisse (wie z.B. Gesichter). Babys sind außerdem kurzsichtig und sehen nur ca. 30 cm weit. Da die Kleinen auch Schwierigkeiten haben Farben zu unterschieden reagieren sie hauptsächlich auf helle Farben und Kontrastunterschiede (schwarz/weiß).

Bei Geburt haben die meisten Babys blaue Augen. Die vollständige Pigmentierung der Regenbogenhaut, welche die spätere Augenfarbe definiert, erfolgt erst im Lauf des ersten Lebensjahres. Keine Sorge wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind nach der Geburt manchmal in unterschiedliche Richtungen schielt. Das ist völlig normal. Die Koordination der beiden Augen zueinander entwickelt sich erst während der ersten 2-3 Monate.

Mit Ende des 3. Monats entwickelt sich auch langsam die Tiefenwahrnehmung, und Farben können bereits gut unterschieden werden. Die Sehleistung entspricht schon zu 40-50% der eines Erwachsenen. Mit einem Jahr hat die Sehschärfe Ihres Kindes ca. 80% erreicht. Auch weit entfernte Objekte (z.B. Spielzeuge) und Menschen können jetzt gut erkannt werden.

Zur augenärztlichen Mutter-Kind-Pass-Untersuchung mit 2 Jahren erreichen viele Kinder bereits eine Sehschärfe von 100%. Allerdings dauert die vollständige Sehentwicklung bis zum 10. Lebensjahr, eine Sehschärfe von 80% gilt daher auch in den ersten Jahren noch als völlig normal und unbedenklich.

Was geschieht bei der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung in der Augenpraxis?
Bei jeder Mutter-Kind-Pass Untersuchung wird natürlich die Sehleistung der Kinder überprüft. Das macht man mit Symbolen, welche das Kind benennen oder zeigen kann („Haus, Kreis, Herz, …“ ). Je kleiner die Symbole sind die noch erkannt werden, umso besser ist die Sehschärfe. Idealerweise sollte natürlich jedes Auge extra überprüft werden, um sicher zu gehen dass auch beide Augen gleich gut sehen.

Wichtig ist auch die Abklärung ob Ihr Kind schielt. Dazu wird die Augenstellung mit dem sogenannten „Abdecktest“ überprüft. Während Ihr Kind auf ein kleines Objekt schaut wird abwechselnd immer ein Auge abgedeckt. Wenn sich die Augen dabei nicht bewegen schauen beide Augen auch im Ruhezustand (also abgedeckt) in die gleiche Richtung und schielen nicht.
Kleine Augenbewegungen können unter Umständen schwierig zu erkennen sein („Mikro-Schielen“), trotzdem aber zu einer Sehschwäche des schielenden Auges führen. In Augenordinationen mit Kinder-Spezialisierung (wie z.B. auch in unserer Augenpraxis St. Valentin) erfolgt diese Untersuchung deshalb durch eine speziell dafür ausgebildete Orthoptistin.

Unumgänglich bei jeder Mutter-Kind-Pass-Untersuchung ist eine Überprüfung der Dioptrien an jedem Auge. Ein Unterschied der Dioptrien kann nämlich dazu führen dass das Gehirn das „bessere“ Auge zum Sehen verwendet und das „schlechtere“ aufgrund der Unschärfe vernachlässigt. Da diese Kinder mit dem besseren Auge meist sehr gut sehen fällt die Beeinträchtigung am anderen Auge nicht auf. Eine so erlangte Sehschwäche („Ambylopie“) bleibt allerdings ein Leben lang bestehen und kann auch im späteren Leben mit einer Brille nicht mehr verbessert werden!

Kinder können ihre Dioptrie-Fehler durch genaue Fixation oft ausgezeichnet kompensieren. Daher ist es wichtig diese Kompensationsmechanismen mit speziellen Augentropfen einzudämmen um die richtigen Dioptrien-Werte messen zu können. Verständlicherweise sind die meisten Kinder von diesen Augentropfen nicht immer begeistert. Das Eintropfen ist aber wichtig, da ansonsten eine mögliche lebenslange Sehschwäche des Kindes riskiert wird.

Zusätzlich werden natürlich auch noch die Augen selber untersucht. Dabei wird unter anderem mit einer Lupe ins Auge auf die Netzhaut geschaut und vor allem der Sehnerv und die Makula (der Punkt des schärfsten Sehens) genau betrachtet. Wichtige Voraussetzung dafür ist aber – wie bei allen Tests der augenärztlichen Mutter-Kind-Pass-Untersuchung – eine entsprechende Kooperation der kleinen PatientInnen. Aber mit ein bisschen Geduld und ein paar spielerischen Tricks bekommen wir das meistens ganz gut hin. 🙂

Warum haben manche Kinder ein Pflaster auf einem Auge?
Sollte sich bereits eine Sehschwäche („Amblyopie“) auf einem Auge entwickelt haben, so kann man bis zum Ende der Sehentwicklung (also ca. bis zum 12. Lebensjahr) versuchen das schwache Auge zu „trainieren“. Dazu muss man das bessere Auge zeitweise mit einem Pflaster abkleben, da sonst das Gehirn immer automatisch das bessere Auge zum Sehen verwenden würde.

 

Vielen Kindern sind ärztliche Untersuchungen nicht immer ganz geheuer. In unserem Mini-Kinderbuch „Valentin und das Rätsel um die Eulenbrille“ findet der professionelle Schnecken- und Schmetterlingsbeobachter Valentin nicht nur eine rätselhafte Eulenbrille sondern verliert auch die Angst vor dem Besuch beim Augenarzt. Das Mini-Kinderbuch gibt es kostenlos in der Augenpraxis St. Valentin. 🙂